Vier knallblaue Container sollen der neue Arbeitsplatz für ein zehnköpfiges Graduiertenkolleg an der TU-Dresden sein. Eigentlich würde man hier wohl eher Menschen mit Bauhelmen oder – zumindest in Dresden und Umgebung – quietschende Kinderstimmen erwarten. ((smiley)) Aber weit gefehlt: was hier wie eine temporäre Notunterkunft erscheint, soll Raum für moderne Spitzenforschung schaffen. Es soll beim Entwickeln von neuen Ideen helfen.
Interessant ist, dass diese Container dabei doch kaum mehr als ein Dach über dem Kopf sind. Naja, etwas mehr sind sie dann schon: nämlich ein Dach über vielen Köpfen – über vielen unterschiedlichen Köpfen. Die Doktoranden kommen aus den unterschiedlichen Studienrichtungen der TU... und arbeiten an eben dem selben Ort.
Laut Juniorprofessor Wissensarchitektur Jörg Rainer Noennig sollen einfach Möglichkeiten geschaffen werden damit die unterschiedlichen 'Fächer' sich treffen können. Das pure 'übern Weg laufen' soll also Ideen produzieren?? Beim Kaffeeklatsch die Welt von morgen erfinden? Da kann man ja gespannt sein. Unterschiedliche Sichtweisen können doch – wenn nichts anderes – dann doch zum Nachdenken anregen. Und persönliche Nähe und Körpersprache in der Zeit von Twitter und Facebook wirken ja schon fast subversiv.
Kurz vor elf wurden wir aufgehalten am Fritz-Förster-Platz. Die ganze Kreuzung war leer. An den Straßenseiten standen Polizeiautos. Absperrgitter standen auf der Straße. Wir müssen auf die andere Seite! Warum? Fragte ein Beamter. Wir wohnen dort. Wo denn genau? Da hinten, ich zeig es Ihnen auf der Karte. Rücksprache mit den Kollegen. Schließlich öffnete er ein Gitter einen kleinen Spalt. Ich bringe sie über die Straße! Wie nett.
Angekündigt waren viele unbekannte Menschen in unserem Haus. Leute, die mal auf Toilette müssten oder Leute, die sich einfach mal bei einer Tasse Tee aufwärmen sollten, weil sie von den Stunden in der Kälte durchgefroren waren. Menschen, die nicht hier in der Südvorstadt wohnen, sondern aus anderen Stadtteilen oder sogar Städten kommen. Menschen, die sich gegen den Fackelmarsch von Hunderten Neonazis stellen.
Aber am Ende waren keine dieser Unbekannten da. Nur zwei Freundinnen hatten es früh genug hierher geschafft. Der Rest wurde von etwa 6000 Polizisten daran gehindert unser Haus zu erreichen. Ihnen wurde verboten, diesen Stadtteil zu betreten, weil die Neonazis ihn einige Stunden später umrunden sollten.
Lediglich ein paar Nachbarn kamen vorbei uns abzuholen und zusammen zur Gegendemonstration zu gehen. Als wir so gerade zu acht das Haus verließen, hielt am Straßenrand hinter uns ein Polizeiwagen. Ein paar Blicke gegenseitig und wir machten kehrt zurück ins Haus. Das Auto fuhr weiter, ohne dass jemand ausgestiegen wäre. Inzwischen hatte uns der Anruf eines Mitbewohners erreicht. Er war unterwegs in die Innenstadt zusammen mit zwei Freunden. Unweit unseres Hauses wurden sie von zwei Polizeiwagen angehalten. Was folgte war ein 'Platzverweis' ohne Begründung – einfach so. Das bedeutete, dass die drei unverzüglich den gesamten Stadtteil verlassen mussten. Bei einem erneuten Antreffen wären sie dann in Polizeigewahrsam genommen worden.
Daraufhin beschlossen wir, das Haus lediglich in Zweiergruppen zu verlassen und die Demonstration auf unterschiedlichen Wegen zu erreichen. Im Abstand von einigen Minuten verließen wir das Haus. Eine seltsame Stimmung. Ab und zu liefen Menschen über die Straßen. Autos fuhren keine. Ausschließlich Polizeiwagen waren präsent. An jeder zweiten Ecke standen sie. Nach drei Minuten Fußweg hielt auch uns einer an. Wo wir hin wollen? Zur Gegendemonstration an der Russischen Kirche. Dann habe ich hier was für sie. Ein Faltblatt. 'Blockieren ist rechtswidrig' Dankeschön. Aber da oben die Straße dürfen sie nicht betreten. Aha...
Unterwegs begegneten uns mehrmals paarweise andere Menschen. Man achtete stillschweigend darauf sich nicht zu nahe zu kommen. Man fühlte sich beobachtet und unerwünscht – so als hätte man schon einen Platzverweis. Bei der Gegendemo angekommen erreichte uns ein Anruf. Die zwei Frauen, die das Haus nach uns verlassen hatten, waren angehalten worden. Platzverweis – zwei Querstraßen von zu Hause weg! Sie wurden wiedererkannt, da Sie vor unserem Haus gestanden hatten, als die Streife hielt. Eine wurde mit einer Kamera 'abgefilmt', um sie später einfacher wiederzuerkennen und in Polizeigewahrsam zu nehmen. Sonst: Auf schnellstem Weg raus aus dem Viertel! Auch wenn das einen riesigen Umweg bedeutete und auch wenn die Nazis erst vier Stunden später da lang marschieren sollten.
Die Gegendemonstration war ruhig. Ein paar 'Spielchen' liefen zwischen Polizei und der Demo. 'Greiftrupps' schleiften Leute mit Sonnenbrillen aus der Menge. Der Sicherheitsabstand zur Absperrung wurde ignoriert von uns Demonstranten. Der Strom der Straßenbahnschienen wurde abgestellt. Wasserwerfer fuhren auf. Hubschrauber kreisten. Die Polizisten rüsteten sich mit Helm und Co. Vor ihnen standen einige besonders freundliche, die mit den Menschen sprachen. Sie hatten eine weiße Rose am Revers. Das Zeichen des Widerstands gegen Faschismus und für Demokratie. Irgendwann gingen wir. Der Nazizug war noch nicht da.
'Hier können sie nicht durch!' Wir wohnen aber hier. Das ändert nichts. Umrunden Sie das Viertel bis sie nah an Ihrem Haus sind. Unterwegs klingelt das Telefon: Es gehen Gerüchte, dass die Rechten eine kürzere Route nehmen. Direkt an unserem Haus vorbei. Am nächsten Polizeiposten heißt es auf Nachfrage: Es tut mir Leid. Wir können Sie nicht rein lassen. Anweisung von ganz oben. Hier kommt niemand nirgends mehr rein. Unser Baby schreit, es ist kalt und spät. 'Gehen sie doch woanders hin! Können sie nicht woanders unterkommen?' Am nächsten Posten dann plötzlich das OK: Wir bringen Sie über die Straße. Dann gehen sie direkt nach Hause! Mit einem Kleinkind würde ich jetzt sowieso nicht spazieren gehen.' Wo wohnen Sie denn? Aha... Hauptsache Sie sind schnell von dieser Straße runter. Aber wir haben gehört, dass die neue Route der Nazis woanders lang geht. Direkt an unserem Haus. Nein. Wo haben Sie denn das her? Es ist alles wie angekündigt. Gehen Sie nur heim.
Dahin gingen wir. Die Route war doch geändert. Als wir ankamen, hatte der Demonstrationszug gerade unser Haus passiert. Unmittelbar. Ohne dass jemand da war und seinem Missfallen Ausdruck verleihen konnte. Stattdessen wurden wir weggeschickt und mussten Umweg um Umweg, Kälte und Ungewissheit ertragen.
Etwa zwei Stunden später klingelte das Telefon. 'Ich steh am Weberplatz, muss schnell zur Lukaskirche wegen dem Konzert! Die Polizei lässt mich nicht durch. Kannst Du mich holen? Du bist doch Anwohner. Ich dachte die Nazis sind schon lange wieder weg.' Das sind sie auch... Warte, ich hol Dich ab. Bis gleich.
So ein Tag bleibt im Gedächtnis. Ohnmächtig und unmündig fühlte er sich an. Ein Tag, an dem man sich unerwünscht vor der eigenen Haustür fühlt. Wo man sich zuhause illegal weiß. An dem man wirklich anfängt zu überlegen, wann man die eigene Straße betreten und ob man seinen Unmut über tausend Rechtsextremisten vor der Haustür ausdrücken kann.
Leipzig ist ja so ein Thema für die Dresdner. Das sei eine Stadt die zu gerne mal auf große, weite Welt 'macht', dabei aber vergisst, dass eben jene ja gerade in Dresden zu Besuch ist um die hiesigen Kunst-, Kultur- und vor allem Menschenschätze zu bewundern. Naja...
Viel Anerkennung wird Leipzig in Dresden nur selten zu Teil. Eine wichtige Straße nach dieser Stadt zu benennen ist da schon ganz schön viel. Und nicht nur das: Es gibt hier vielleicht bald einen neuen, belebten Stadtteil mit ihrem Namen. Die Leipziger Vorstadt.
Im 'Masterplan Leipziger Vorstadt' sind die alten Brachen und Gewerbebaracken einem relativ dicht bebauten Quartier gewichen. Drei- bis fünfstöckige Gebäude erstrecken sich zu beiden Seiten der Leipziger Straße von der Elbe bis an den Bahndamm. Parallel zur Leipziger Straße in Richtung des Bahndammes verbindet ein Park den alten Güterbahnhof mit dem alten Schlachthof. Die Bezeichnung 'Kulturspange' für diesen Bereich soll vermutlich andeuten, dass sich hier noch andere kulturelle Einrichtungen befinden könnten.
Viel interessanter ist vielleicht aber die Frage danach, was denn dort in Zukunft stattfinden soll - für wen denn der Stadtteil 'gedacht ist'. Die Art der Gebäude deutet im vorderen Bereich an der Leipziger Straße auf Bürogebäude hin, während am Bahndamm Gewerbehallen und im hinteren Bereich Wohnungen zu vermuten sind. Aber wer will denn da wohnen oder wer will denn da arbeiten? Hierüber bleiben die Pläne recht vage. Vermutlich auch um mögliche Investoren nicht zu vergraulen.
Hier sollte man aber alles andere als vage bleiben! Seit einigen Jahren gibt in den Hallen an der Elbe eine Gruppe von aktiven Bürgern. Die haben in Eigenregie verschiedene handwerkliche und künstlerische Werkstätten geschaffen. So gibt es neben einer Do-it-yourself- und einer Fahrradwerkstatt auch eine Glas- und Keramikwerkstatt mit regelmäßigen Treffs. Eine offene Galerie und ein Atelier entstehen gerade noch. Die Mitglieder der Vereine 'Werkstatt-Piraten' und 'Freiraum Elbtal' wollen Platz für alternative Denk- und nachhaltige Lebensweisen schaffen.
Mit eigenen Ideen ist so ein besonderer Ort in der Stadt entstanden, welcher – auf die ein oder andere Art - Vorbild für den ganzen Stadtteil sein könnte. Vielleicht für einen neuen, alternativen Stadtteil. Eben nicht mit alten Gebäuden wie in der Äußeren Neustadt oder im Hechtviertel, sondern mit Platz für neue, energieeffiziente Häuser, die Raum bieten könnten für alle möglichen Wohnformen. Eine Vorstadt, die wirklich 'vor reitet'. Da könnten sich am Ende sogar ein paar Leipziger hin verirren.
Das Kulturkraftwerk ist am Anrollen. Der Einzug der Staatsoperette und des Theater Junge Generation ist gewiss. So sieht es zumindest die IG Kraftwerk Mitte. Sie will der 'unterschätzten Kreativszene' eine Plattform bieten. Hier sollen sich 'Kreative, Kulturschaffende und künstlerisch Tätige' treffen und Ideen für die Nutzung des Kraftwerkes austauschen. Termin:
16. Februar um 20 Uhr im FriedrichstadtZentral
Das Wiener Loch bleibt wohl noch ein bisschen Loch. Wer weiß, vielleicht findet sich ja für den 1.April jemand der ein paar tausend Kubikmeter Wasser übrig hat und das Wiener Loch zum Wiener Wasser macht.
Die Dresdner Debatte ist zu Ende... oder doch nicht? Laut Vertretern der Stadt soll sie eher Anfangspunkt einer ganzen Reihe von Debatten sein... etwa zur inneren Neustadt, zum 'Integrierten Stadtentwicklungskonzept' (INSEK), zum Pieschener Hafen oder zum Postplatz.
Da können wir uns aber auf was gefasst machen. Es war letzten Dienstag auf der Abschlussveranstaltung im Festsaal des Rathauses sogar die Rede von der 'Demokratisierung der Planungsprozesse'! Mit einer neuen Dresdner Diskurskultur versuche man nun die Bürger bei der Planung ihrer Stadt mit ins Boot zu hohlen. Die großen Demos zur Zeit dienen hier wohl der Stadt als abschreckendes Beispiel. Ein übergroßes Foto einer gegen Stuttgart21 demonstrierenden Menge provozierte jedenfalls Geraune und heitere Zustimmung im Festsaal. Bravo!
Ansonsten gab es kaum große Überraschungen auf der Abschlussveranstaltung der ersten Dresdner Debatte. Die Unmengen von statistischen Zahlen, wiesen unter Anderem auf das überdurchschnittlich hohe Alter der Umfrageteilnehmer, eine grundsätzliche Zustimmung zur Entwicklung am Neumarkt und zur Dresdner Debatte an sich hin. Interessant war, dass mit Abstand am meisten Kommentare zur Diskussionsrubrik 'Architektur und Gestaltung' gemacht wurden... und das obwohl eigentlich nach einer bestimmten Nutzung gefragt war. Eben dieses Thema ist, was polarisiert. Kommentarthemen wie 'Kultur', 'Wohnraum' oder 'Freizeit, Sport und Spiel' waren dagegen vergleichsweise wenig interessant.
Außerdem überraschend ist, dass die Atmosphäre des Neumarktes wohl gleich viele Diskussionsteilnehmer dazu bringt hier zu verweilen wie auch dem Neumarkt fern zu bleiben. Fazit: Der Ort ist ein besonderer für die Bürger der Stadt.
Na wunderbar! Und was fangen wir jetzt damit an? Das Stadtplanungsamt zumindest hat entschieden den vielen Rufen nach Sitzmöglichkeiten und Grün zu folgen. So soll das Gewandhausareal mit Bäumen gepflanzt und Bänke und Wasserspiel dazu gestellt werden. Und das, obwohl dies doch gegen den durch und durch kommerziellen Hintergrund eines historischen Marktes steht. Sowas!
Das ist wohl zur Zeit die Frage. Zumindest scheint der Dresdner Architekt Peter Kulka mit seinen Äußerungen in der Sächsischen Zeitung von vorigem Mittwoch wieder etwas Bewegung in die zuletzt ziemlich eingeschlafene Diskussion gebracht zu haben.
Ein 'Kulturkraftwerk' soll her. Das Kraftwerk Mitte sei bestens geeignet die Staatsoperette und das Theater Junge Generation zu beherbergen. Und nicht nur das: es könnte ansonsten Platz für viele Dresdner einer 'unterschätzten Kreativszene' bieten. Verbunden zu einem Nukleus von Kulturschaffenden sollte es 'ausstrahlen' und bestenfalls die nicht weit entfernte Friedrichstadt beleben...
Und das Wiener Loch? Da würde sich schon jemand finden früher oder später. Das leuchtet ein. Genug los ist ja dort zumindest. Trotzdem gefiel mir in letzter Zeit die Vorstellung an dieser Stelle ein Theater zu schaffen. Vom Hauptbahnhof kommend, den Blick von Schaufenster zum Nächsten schweifend und vielleicht am Überlegen w a n n man sich w a s als nächstes kaufen könnte. Dann das Theater im Blick, ein verwundertes Innehalten vielleicht auch weil man einfach nicht das nächste Schaufenster entdeckt, stattdessen Poster mit 'Carmen' oder 'der Zigeunerbaron'... Das hätte was! Das hätte etwas von Großstadt: hier Läden, viele Menschen, da das Theater davor ein paar Bänke, Bäume und da hinten der Hauptbahnhof von welchem noch manchmal die Bahnsteigansagen zu erahnen sind.
Das Kraftwerk Mitte würde wahrscheinlich tatsächlich noch eine ganze Weile leer stehen und – wer weiß vielleicht irgendwann sogar abgerissen werden. Dann käme vermutlich wieder die Weimarer Florana KG mit einem neuen Einkaufszentrum. Da ist die Idee des Kulturkraftwerkes viel besser. Es wäre eine Art neues kulturelles Zentrum in der Altstadt – nebenan das Kabarett Breschke und Schuch, die Musikhochschule und daneben das Umweltzentrum wo sich Initiativen und Vereine aus dem umwelt-kulturellen Bereich Treffen. Vielleicht würde der Wettiner Platz tatsächlich so ein Anziehungspunkt für die Menschen in der Stadt werden – wo was los ist. Ein paar mehr Kneipen und man könnte hier sogar den ganzen Abend verbringen.
Auch wenn viel für das Kraftwerk spricht – sollte man einfach am Wiener Loch noch ein Hotel oder Läden entstehen lassen? Die Vorstellung finde ich wenig begeisternd. Etwas Besonderes wäre angebracht. Hier kann die Stadt das Selbstbewußtsein haben, den Investoren Vorgaben zu machen. Sie muss nicht – gerade wegen der 'guten Lage' – jeden Erstbesten nehmen. In das Kraftwerk Mitte dagegen sollte investiert und Platz geschaffen werden für Theater und Dresdner Bürger.
Details zu den Planungen des Kraftwerk Mitte unter www.das-neue-dresden.de
Damit der Dresdner Neumarkt ein Platz für die Dresdner wird, sollte er etwas zu bieten haben, was sie interessiert. Man könnte auch sagen: Wo sie etwas zu tun haben.
Die Fassaden der umgebenden Gebäude sind hier meiner Meinung nach zweitrangig. Ist man ein paar Mal am Neumarkt gewesen, hat man diese gesehen und sie überraschen einen kaum noch.
Es muss also etwas her, wo es 'öfter mal was Neues' gibt - etwas, das interessant bleibt. So legt die Nähe zur Hochschule für bildende Künste doch eine Art 'Kunstschaukasten' (früher: Stadtloggia) nahe. Ein Raum, wo die jungen Künstler der Stadt SICH und ihre Werke zeigen könnten. Dabei muss dieser Raum nicht den Kunststudenten vorbehalten bleiben. Hier könnten durchaus auch Musiker, Literaten und andere Künstler ihre Werke zeigen.
Das Gewandhausareal könnte hierfür gute Dienste leisten. Dabei ist zunächst zweitrangig, ob dort nun ein großes Gebäude entsteht oder ein Flachbau oder aber auch nur eine leichte Membrankonstruktion als Überdachung.
Der Neumarkt könnte so den Dresdnern Raum und immer wieder etwas Interessantes bieten.
Seit kurzem ist das Forum www.dresdner-debatte.de online! Es wurde von der Stadt in Auftrag gegeben in der Hoffnung konstruktive Vorschläge zur Gestaltung des Neumarktes zu bekommen.
Ein lobenswerter Ansatz. Schaut mal vorbei!
… einen Kindergarten aus lauter riesigen Betoneiern! Als Kind hätte ich das Spitze gefunden – auch wenn sie nicht bunt angemalt und vom Osterhasen gebracht sind.
Dem Architekten (Gerd Priebe) ging es wohl ähnlich, als er den Entwurf für eine neue Kita an der Bautzner Landstraße in Dresden-Bühlau ersann. Nicht ganz unerwarteterweise entschied sich die Preisrichterjury jedoch gegen diesen Wettbewerbsbeitrag. Er sei zu teuer und passe nicht zur Umgebung.
Mit dieser Begründung entschied man sich (siehe auch Sächsische Zeitung vom 14. April 2010) für einen Entwurf von Zander Architekten.
Der Architekt des 'Eierentwurfs' wollte mit seinem Kindergartenein 'neues Raumerlebnis bieten' und Fantasie und Kreativität der Kinder fördern... ziemlich hochgesteckte Ziele – aber vor allem gut nachvollziehbare! Ganz bewusst hat er sich vermutlich so für die ungewöhnliche Eierform und gegen die gewohnte der umgebenden Wohnhäuser entschieden. Die Jury hat also ganz richtig und im Sinne des Erfinders formuliert, dass der Entwurf nicht zur umliegenden Bebauung passt. Aber was schert sich schon 'die Bebauung'? Der ist das vermutlich herzlich egal. Wem es aber nicht egal ist, sind die 'die Kita umgebenden Kinder'...
Da halte ich es mit Herbert Grönemeyer: Kinder an die Macht!
Den Umbau des Wiener Lochs am Hauptbahnhof vom Deutschen Flutfont sponsorn zu lassen, ist schon ziemlich amüsant – angeblich geplant von der GRAUzuGRÜN GmbH auch :).
Da hat sich jemand einen Aprilscherz erlaubt und eine Fake-Bauschild mitsamt einer Abbildung der gefluteten Baugrube hinter dem Kugelhaus aufgestellt. Laut Sächsischer Zeitung derselbe, der auch das 'Protestklo' auf dem Postplatz aufstellte...
Mir fällt nix ein, was dagegen spräche. Sehr schön!
Der Elbepark wird in diesen Tagen nach umfangreichen Umbau wiedereröffnet ... mit grandiosen 170 Geschäften auf sage und schreibe 102.000 Quadratmeter Ladenfläche. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Das ist mehr als die Centrum Warengalerie (ca. 52.000qm) und die Altmarktgalerie nach ihrem Umbau zusammen (ca. 44.000qm). Beeindruckend ist es allemal. Nur was kommen denn da für Leute hin? Was will man denn da?
Flanieren oder an den Schaufenstern vorbei bummeln wohl kaum. Denn wer kommt schon mit seinem Auto oder der Straßenbahn vor die Tore der Stadt gefahren um nur 'mal eben bummeln zu gehen'? Wohl kaum jemand. Meistens fährt man dort hin, wenn man schon eine mehr oder minder genaue Vorstellung von dem hat, was man da sucht. Das ist vermutlich den Ladenbesitzern und Produktmanagern im Elbepark so klar wie Kloßbrühe, denn was man dort findet, sind die Dinge, die alle kennen und jeder schon gesehen hat.
Aber sind es nicht viel mehr die unerwarteten 'Entdeckungen', die begeistern? Also so richtig. Wo man sich dann noch nach Jahren erinnert: … dann bin ich in diesen Laden gekommen, der so ungewöhnlich roch... und dann lief da eine Musik, die ich noch nie gehört hatte. Eigentlich war man aber gar nicht auf der Suche nach einer CD, vielmehr ist man über sie 'gestolpert' und wenig später hört man sie rauf und runter zu Hause. Ähnlich kann das auch mit einem Buch oder einer Hose passieren, die man erblickte als man eigentlich auf dem Weg zu einem Freund war oder beim Sonntagsspaziergang in der Schaufensterauslage erblickte.
Über den Elbepark und seine jetzt neu 102.000qm stolpert man aber nicht! Da fährt man extra hin um etwas 'ganz bestimmtes' zu kaufen. Was man dort in Erinnerung behält, sind wahrscheinlich die Massen von Menschen, die schlechte Luft und der riesen Parkplatz davor.
Man kann nur hoffen, dass sich schnell herausstellt, dass viele Menschen doch lieber in der Innenstadt einkaufen gehen und vielleicht schon bald diese riesigen Hallen leer stehen, verfallen und den Kleinen aus dem benachbarten Stadtteilen Kaditz und Mickten als Abenteuerspielplatz dienen.
Sie haben es tatsächlich getan! Laut Sächsischer Zeitung von heute hat die 'Gesellschaft Historischer Neumarkt' einen Gegenentwurf zu dem des Architekturbüros 'Knerer und Lang' vorgelegt. Sowas gibt es nicht alle Tage.
Ein ungewöhnlicher Einsatz für... na für was eigentlich? Wohl vorrangig um Stimmung gegen den kurz vor der Genehmigung stehenden Entwurf zu machen. Um der Öffentlichkeit 'alle möglichen Alternativen' aufzuzeigen.
Ein ganz schön hoch gegriffenes Ziel! Was da als Alternative aufgezeigt wird, ist zunächst schlicht die Straßenperspektive eines Hauses. Hinweise darauf, was für Nutzungen für Das Haus angedacht sind, sucht man vergebens.
Das Einzige, was zu interessieren scheint, ist das äußere Erscheinungsbild oder für was auch immer dieses symbolisch stehen könnte. So zeichne sich der neue Entwurf durch 'Respekt, Achtung' und sogar 'Wertschätzung' dem dahinter liegenden Barockviertel gegenüber aus... huiuiui
Was mir zunächst ins Auge fällt beim Betrachten der beiden Schaubilder, sind die vielen Loggien bei dem vielmals gescholtenen Entwurf von 'Knerer und Lang'. Versucht man sich einmal in die Lage eines Wohnungssuchenden hineinzuversetzen, dann ist solch eine Loggia ein großes Argument für eine Wohnung. Beim Frühstück nämlich die Frühlingsluft zu spüren und das Zwitschern der Vögel zu vernehmen ist wunderbar... im Dunkeln zu sitzen und auf das Thermometer blicken zu müssen um zu sehen wie warm es draußen ist, lockt dagegen gelinde gesagt wohl kaum jemanden hinter dem Ofen hervor.
Ganz von den unklaren Grundbesitzverhältnissen für das neue Einkaufszentrum abgesehen, fällt in der heutigen Sächsischen Zeitung eine Vogelperspektive der neuen Planungen auf. 'begrünte Fassaden' und 'Dachgärten' werden als neue Ideen für das Projekt herausgestellt.
Grundsätzlich ist es ein gutes Zeichen, dass solche Änderungen in den Entwurf eingearbeitet werden. Auf der anderen Seite ändern sie wenig an der unheimlichen Größe des neuen Einkaufzentrums. Ein freundlicherer Gesamteindruck ist dem Bilde nicht abzusprechen. Dieser entsteht hier jedoch wohlgemerkt nur aus genügender Distanz und von außen. Von innen wird das Ganze noch immer als großer Allerweltssupermarkt erscheinen.
Dabei gibt es in der Stadt unweit des Albertplatzes schon ein viel besseres Beispiel: In der Markthalle an der Hauptstraße gibt es einen Supermarkt, der großzügig und hell gestaltet ist. Hier sieht man, dass es nicht unbedingt einer riesigen Fläche am Stück, Fensterlosigkeit, Überdachung oder 2,50m-Decken bedarf.
Ein Vorschlag wäre also den Bereich zwischen den neu begrünten Gebäudeteilen als Außenraum zu belassen oder nur gering(st)fügig (!) zu überdachen. Das würde wieder eine in der Neustadt typische, ruhige Hofsituation schaffen. Außerdem könnten einzelne kleine Ladeneinheiten – wie es sie auch in der Markthalle gibt – in diesem Innenbereich eine besonderes Angebot und Atmosphäre schaffen. Ohne dieses werden es die neuen Läden in dem Bereich um das alte DVB-Hochhaus schwer haben.
Grüne Fassaden und Dachgärten sind also ein guter Ansatzpunkt. Die Diskussion sollte jedoch nicht vor den Gebäudetüren stopp machen. Mindestens ebenso wichtig ist doch, was IM Gebäude stattfinden soll.
Es ist mal wieder soweit. Kaum gibt es Neuigkeiten über ein anstehendes Bauprojekt in der Dresdner Innenstadt, gehen die zwei Lager aufeinander los. Auf der einen Seite ein mehr oder weniger bekanntes Dresdner Architekturbüro 'Knerer und Lang' mit einem Weimarer Investor im Rücken - auf der anderen Seite ein Gruppe von Dresdnern, die vor allem durch die 'Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V.' vertreten wird.
Eine Diskussion um die Gestaltung der Stadt entbrennt - das Ganze jedoch auf eine sehr hitzige und fast ideologische Art und Weise. So werden verschiedene - meist formale, wirtschaftliche oder historische - Argumentationen angeführt. Argumentationen, die meiner Meinung nach oft viel zu kurz greifen.
Um diese Art der Diskussion in Frage zu stellen, ist dieser Blog entstanden. Hier werden je nach Bedarf im wöchentlichen Rhythmus Kommentare zur Entwicklung von Architektur und Stadtplanung in Dresden – oder vereinzelt auch anderen Städten – erscheinen.